photo Anne SETTIMELLI



Patrick CHALAND - Bildhauer in Marseille, 13004.


Lebenslauf, "Treibstoff" und künstlerische Vorgehensweise



Meine Ausbildung : ein völlig anderer Weg als Kunstschule : die Chirurgie

Das Anatomie : um das Erwünschte ausdrücken zu können muss das Modellieren eines Körpers zu allererst genau sein.
Jahrelange Ausführung tausender chirurgischer Eingriffe im Abdominalbereich, d.h. Modellieren der lebendigen Materie. Der Operationssaal ist meine Welt. Eine einzigartige Vorbereitung für den künstlerischen Ausdruck.


Umwandlung

Im Jahre 2005 wird ein schlimmer Sturz mir solche unwiderrufliche Schäden verursachen, dass ich schliesslich meinen Beruf verlassen muss. Jetzt bin Ich dran: ich muss mich operieren lassen, mehrmals. Eine lange, schmerzliche Zeit. Diese Untätigkeit, nichts mehr zu tun haben mit meinen Händen, fällt mir schwer. Ich hatte Kribbeln in den Fingern. Nach einer Physiotherapie führen mich meine Schritte zu einer Bildhauerwerkstatt. Figuren aus Ton zu modellieren wird für mich eine zwingende Notwendigkeit. Nach einiger Zeit eröffne ich meine Werkstatt und seitdem habe ich nie mehr aufgehört, dort zu arbeiten.
Nach mehr als zwei Jahren Behandlung wird es klar, dass ich nie wieder meine Arbeit werde ausüben können.
Später, die fehlenden technischen Fähigkeiten erlernte ich beim Meister Petrus (Nizza) und Pascal Rosier (Choisy-en-Brie).

Allmählich kommt mein kreativer Prozess hervor, nicht durch ein konkretes Ziel bedingt, sondern durch einen innerlichen Drang, ein Gefühl, eine mehr oder weniger tiefvergrabene Bewegung, die es mir Schritt für Schritt gelingt, auszuarbeiten und auszudrücken.
Und so, obwohl es sich am Anfang nur darum handelte, etwas zu tun, werde ich - ohne überheblich sein zu wollen - von meinem kreativen Schwung, den ich jetzt auf diese Art ausdrücken kann, allmählich bewusst.

Das Glas, insbesondere das massive, geschmolzene und dann kaltbearbeitete Glas, zieht mich an : die Glaspaste (franz. Pâte de verre). Ich bin von den Werken von Gallé, Lalique, Décorchemont, Daum, Marinot, sowie von den Werken von Zeitgenossen wie den Gebrüdern Leperlier, Yan Zoritchak, Colin Reid, Matei Negreanu,... fasziniert.

Im Jahre 2008, Treffen mit dem CIRVA und dann mit Olivier Fonderflick, einem talentierten, auf Glaspaste spezialisierten Glaskünstler. Mit ihm erlerne ich das Wachsausschmelzverfahren und führe meine ersten Werke aus.

Die geschmolzene Glasmasse ist das Material, das mir dank seiner Durchsichtigkeit und seiner Eigenschaften erlauben wird, meine Vorstellungen zu verwirklichen.
"Pâte de verre" (Glaspaste), Kristallglas oder Giesserei-Glas, das Glas bietet für jedes Werk unzählige Baumöglichkeiten der Innenstruktur.
Aber vor allem berührt mich das Glas am tiefsten.

Trotzdem bearbeite ich auch andere Materialien wie Ton, Bronze, Harze, Gips, Beton, ... weiter.


Januar 2011 : Anmeldung als Berufsbildhauer

Ich entscheide mich, meine Bildhauertätigkeit zu einem Beruf zu machen, und verlasse endgültig die "vernünftigen" beruflichen Wege.

Ausstellungen und Kunstmessen : Ausstellungen.

Das Glas - oder besser gesagt die Gläser - von Natur aus eine schnell abgekühlte Schmelze - ist mit dem Magma verbunden. Es ist eine feste Flüssigkeit, so alt wie die Planeten ; es zu bearbeiten heisst irgendwie das Weltall auf den Zehenspitzen zu berühren.
Das ist das perfekte Material, um ein tiefverankertes Gefühl, ein archaisches Fundament ausdrücken zu können.
Ich bemühe mich, einen Begriff, eine Erwähnung, eine Art von ursprünglichem Drang, oder aber eine Träumerei, in der mein Geist wandert, zu übersetzen und so Fragmente einer Geschichte zu erzählen.
Und jedes Mal hoffe ich, dass das endgültige Werk ähnliche tiefverankerte Gefühle bei dem Beobachter erwecken wird.

Während 4 Monate, von Januar bis April 2013, tauche ich in das CERFAV in Vannes-le-Châtel ein (das Europäische Zentrum der Forschung und Ausbildung für Glaskünste). Dort vervollkommne ich meine Kenntnisse und meine Praxis. Vier Monate von purem täglichem Vergnügen.


Neben meinen eigenen Werken führe ich auch Aufträge aus verschiedenen Materialien aus. Denn Glas ist insbesondere durch die mechanischen Belastungen, welchen das Werk unterworfen wird, durch sein Gewicht und seinen Preis begrenzt.
Eine völlig andere Übung : ein gegebenes Thema zu erdenken und ihm dann eine Form zu verleihen ; den Entwurf und die anfangs unvollständig formulierte Vision des Auftraggebers zum Vorschein zu bringen.


Meine Werke befinden sich jetzt bei Kunstsammlern, die mir die Ehre gemacht haben, meiner Arbeit Beachtung zu schenken, und werden in Galerien ausgestellt. In Marseille ist auch Nina, inzwischen als "der Hund von Saint Barnabé" bekannt, jederzeit zu sehen. (Anm. d. Ü.: Saint Barnabé ist ein Viertel von Marseille)


September 2014 : Eröffnung einer neuen Werkstatt - Rue Belle de Mai 49, Marseille 3.Arrondissement.


Und immer wieder der gleiche Versuch, den Traümen Vorrang zu geben.
Die Bildhauerei ist ein Unternehmen des Ausdrucks und der Verführung.




Einschreibung am Haus der Künstler unter der Nr C980710
SIRET 32654086100100